

„Die vielzitierte schwäbische Hausfrau wäre hochzufrieden“, kommentiert Ministerpräsident Mappus stolz den Kauf des EnBW-Aktienpakets der EdF durch die Landesregierung. Doch das ist Quatsch. Die schwäbische Haufrau wäre entsetzt. Denn das Geschäft, für das das Land eine Bürgschaft von 5,9 Milliarden Euro – das ist ein Sechstel des Landeshaushalts! – aufnehmen musste, missachtet die Rechte des Parlaments, ist wirtschaftlich zweifelhaft und riecht nach „Vetterleswirtschaft“. Wir Grüne lehnen den Deal deshalb entschieden ab.
Die Art und Weise wie Ministerpräsident Mappus den Kauf der EnBW-Aktien von der EdF (Electricité de France) eingefädelt hat, ist eine Farce. Ohne den Landtag als Volksvertretung zu informieren und zu beteiligen hat er den Deal durchgezogen. Um den Landtag zu umgehen, hat der Finanzminister dem Geschäft mit seinem Notbewilligungsrecht zugestimmt. Diese Begründung ist fadenscheinig und konstruiert. Denn das Notbewilligungsrecht ist vorgesehen für außergewöhnliche Ereignisse wie Naturkatastrophen oder Seuchen, in denen die Landesregierung sehr schnell finanziell handeln muss. Eine solche Notsituation war aber beim Kauf der EnBW-Aktien definitiv nicht gegeben. Es gibt nur einen Grund für die Eile, mit der Mappus das Geschäft durchgezogen hat: Er will damit bei den anstehenden Landtagswahlen punkten.
Dazu kommt: Mappus hat den Kaufvertrag mit der EdF ohne jeden Parlamentsvorbehalt abgeschlossen. Damit hat er den Landtag zu einem bloßen Abnickverein degradiert, da das Parlament das Milliardengeschäft hätte nicht mehr verhindern können. Die Grünen-Abgeordneten haben aus Protest gegen das Vorgehen gemeinsam mit der SPD bei der Abstimmung den Plenarsaal verlassen.
Fakt ist also: Die Landesregierung hätte vor dem Kauf unbedingt eine Sondersitzung des Landtags einberufen müssen. Das hat Mappus nicht getan. Mit seinem Vorgehen stellt er Aktienrecht über die Landesverfassung. Das Opfer von Mappus’ Machtmissbrauch ist die demokratische Kultur im Land.
Das Finanzkonstrukt ist aber auch wirtschaftlich zweifelhaft. Das Land überweist der EdF pro Aktie 41,50 Euro. Das sind 18 Prozent mehr als die EnBW-Aktien zuletzt an der Börse wert waren. Dieser Preis ist zu hoch, sagen Experten. Denn die EnBW setzt auf ein überkommenes Geschäftsmodell: Kein anderer Energiekonzern hat einen so hohen Anteil an Atomkraft an der Stromproduktion. Zudem ist die EnBW im Gasbereich schlecht aufgestellt. Branchenkenner gehen deshalb davon aus, dass die Gewinne der EnBW in den nächsten Jahren einbrechen. Das gilt umso mehr, sollte das Bundesverfassungsgericht die schwarz-gelbe Laufzeitverlängerung für AKWs für verfassungswidrig erklären.
Das macht deutlich: Das Milliardengeschäft mit den EnBW-Aktien ist für das Land keineswegs so risikolos, wie es Ministerpräsident Mappus behauptet. Jeder seriöse Anleger weiß: Aktien sollte man nicht auf Kredit kaufen. Mappus ignoriert diesen Grundsatz. Die Folge: Sinkt der Ertrag der EnBW, müssen am Ende die SteuerzahlerInnen für den Kauf aufkommen. Die Financial Times Deutschland schrieb wegen des riskanten Vorgehens bereits: „Mappus macht auf «Heuschrecke».“
Ein „Gschmäckle“ hat auch, dass die die Investmentbank Morgan Stanley ohne Ausschreibung den Auftrag für die Abwicklung des Geschäfts und den Milliardenkredit für den Aktienkauf bekommen hat. Denn der Deutschland-Chef dieses Geldinstituts ist Dirk Notheis – einer der engsten politischen Freunde von Mappus und Mitglied im CDU-Landesvorstand. Seine Bank verdient an dem Deal prächtig. Das Handelsblatt und andere Zeitungen sprechen deshalb bereits von „Spätzle-Connection“.
Gründe genug also für ein klares Nein zu Mappus’ EnBW-Deal.
Mittwoch, 15. Dezember 2010Dienstag, 01-02-11 22:37
Zitat Financial Times Deutschland (1.2.2011):
"Als fiskalpolitisches Ideal der CDU gilt gemeinhin die schwäbische Hausfrau. Anfang Dezember aber trat an ihre Stelle plötzlich das schwäbische Milchmädchen in Gestalt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus."
Samstag, 08-01-11 11:51
Die Beteiligung ist nicht nur hinsichtlich ihrer Finanzierung fragwürdig, sie ist auch ordnungspolitisch falsch und außerordentlich riskant für das Land.
Die Beteiligung des Landes an der EnBW ist nicht nur hinsichtlich ihrer Finanzierung fragwürdig, einer Finanzierung gänzlich ohne Eigenkapital und damit völlig auf Pump mit dem Bürger als Schuldner und Gläubiger.
Die Beteiligung ist auch ordnungspolitisch falsch. Es gibt keinen Grund warum sich der Staat an Wirtschaftsunternehmen, auch Energieunternehmen, beteiligen sollte. Eine Beteiligung dient der Mitsprache, der Staat ist aber bekanntermaßen kein Unternehmer und bei allen Versuchen dabei weniger erfolgreich. Der zweite Grund wäre die stille Beteiligung als Einnahmequelle. Sie schließt sich aber aufgrund der Finanzierungsart (und damit verbundenen Kosten) sowie der zu erwartenden Volatilität der Einnahmen aus.
Als völlig fremdfinanziertes Investment ist die Beteiligung aber auch außerordentlich riskant. Der Energiemarkt befindet sich nämlich im Wandel und die dort aktiven Unternehmen sind diesem Wandel mit ihrem Produktportfolio ausgeliefert. Dabei zählt die EnBW bei weitem nicht zu den Unternehmen die hier am besten aufgestellt sind, das Gegenteil ist eher der Fall. Es ist ein durch diverse Zusammenschlüsse strukturell schwer zu führendes Unternehmen, wie die letzten Vorstandsvorsitzenden bewiesen, und zudem noch eines mit einem sehr hohen Atomstromanteil aus einem u.a. sehr alten Mailer im Produktportfolio. Auch beruhen noch zu viele Einnahmequellen auf Regulierungen mit Haltbarkeitsdatum wie beispielsweise der Laufzeitverlängerung. D.h. die Einnahmen mindern sich oder fallen ganz weg wenn die schützende Regulierung sich ändert oder ganz entfällt. Dieses Unternehmen hat damit trotz der Arbeit von Claasen und Villis (letzer und aktueller VV) noch einen weiten Weg an Restrukturierungen und Investitionen vor sich.
Diese Kosten, seien es Ertragsminderungen, Restrukturierungskosten oder Neuinvestitionen müssen die Eigentümer und damit neuerdings das Land tragen. Mit dieser Beteiligung hat die Landesregierung dem Land mithin einen Bärendienst erwiesen und wir können nur hoffen da wieder mit einem “blauen Auge” heraus zu kommen. Gekostet hat es jetzt schon das mehrstellige Millionenhonorar der Morgan Stanley, Geld mit dem im Land auch anderes hätte finanziert werden können.
So gehts nicht Herr Mappus, ich als schwäbische Hausfrau praktiziere Demokratie in meiner Familie, Entscheidungsen werden in der Familie besprochen, also auch im Parlament. Luftblasen hatten wir schon genug und brauchen keine mehr, Ihr Deal ist Herrschaftsdenken.
Hedy Triemer Oberstenfeld
Donnerstag, 16-12-10 12:59
Die Überweisung des Kaufpreises an die EdF ist eine Ausgabe, denn es fliesst tatsächlich Geld von der landeseigenen Gesellschaft Neckarpri GmbH nach Frankreich.
Damit die Neckarpri GmbH (ohne sonstige Vermögensgegenstände, Geschäftstätigkeit oder Rating völlig kreditunwürdig) überhaupt zu vernünftigem Zinssatz Geld bekommt, kommt nach der Zahlungsverpflichtung aufgrund des Kaufvertrags dann die Bürgschaft.
Die von der Landesregierung gewählte Reihenfolge ist abenteuerlich. Verfassungswidrig ist aber nicht die Bürgschaft, sondern die Eingehung der Zahlungsverpflichtung ohne Ermächtigung durch den Landtag. Der Landtag hat im Nachhinein seine Zustimmung gegeben. Wird dadurch der "Formfehler" geheilt?
Jedenfalls steht auf Bruch der Landesverfassung keine Strafe im Gesetz. Politische Verantwortung muss aber jemand übernehmen...
Mittwoch, 15-12-10 21:39
Artikel 81 Verfassung BW ist gar nicht einschlägig. Er gilt nur für Ausgaben und Verpflichtungsermächtigungen. Nach Artikel 84 der Verfassung bedarf jede Garantie / Bürgschaft (=Risikoübernahme) einer gesetzlichen Ermächtigung. Da diese nicht vor Abschluss des Geschäfts vorlag, ist das Vorgehen der Landesregierung verfassungswidrig.
Frauen verdienen in Deutschland immer noch 23% weniger. Ministerin Schröder darf nicht länger die Hände in den Schoß legen. »mehr
Wir brauchen eine konsequente Energiewende, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. »mehr
Damit Baden-Württemberg erfolgreich bleibt, müssen wir mutig neue Wege gehen. »mehr
22.05.2012, 18:35
@RegierungBW: Frühkindliche Sprachförderung ist heute Thema bei "Nachgefragt bei #Kretschmann". Anschauen! http://t.co/RtslwwZQ
22.05.2012, 15:07
Der alte Vorstand von @FraktionGruenBW ist auch der neue Vorstand. Gratulation an Edith, Uli, Andi, Charlotte und @alindlohr zur Wiederwahl.
21.05.2012, 08:01
@habichthorn Sicher nicht negativ.. Wir würden uns sehr über den Wombat freuen!
17.05.2012, 11:07
@StN_News: Grünen-Landeschef Chris #Kühn wollte in Berlin ins Flugzeug - und eine Axt im Handgepäck verstauen: http://t.co/R1G6QgnE # ...
14.05.2012, 19:21
@Zwiebeltuete Es geht uns um Gleichstellung nicht um Schlagzeilen. Und Quoten sind kein Unfug, sondern ein wirksames Mittel.
13.05.2012, 19:31
Herzlichen Glückwunsch an @gruenenrw @nrwspd und @HanneloreKraft zu diesem tollen Ergebnis. Ein Klares Mandat für Rot-Grün #nrw12
13.05.2012, 19:26
@gruenenrw: Herzlich Willkommen auf Twitter und gestärkt im neuen Landtag: @gruenefraknrw #nrw12
13.05.2012, 18:01
@Wahlrecht_de: Prognosen ARD/ZDF • CDU 26,0/25,5%, SPD 39,0/38,0%, GRÜ 12,0/12,0%, FDP 8,5/8,5%, LIN 2,5/3,0%, PIR 7,5/8,0% http://t. ...
13.05.2012, 15:28
Für eure letzten Fragen zu #nrw12 sind die @gruenenrw immer noch #3TW http://t.co/Imj6KcGN
13.05.2012, 15:26
Es wird knapp bei der Landtagswahl in NRW. Wählt @gruenenrw für eine rot-grüne Mehrheit & eine sozial-ökologische Politik. Ab ins Wahllokal!