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Biomasse – Klimaretter oder Strohfeuer?

Grüner Kongress am 26. Januar in Stuttgart

Energie klimaneutral erzeugen und nutzen – die Kernidee hinter der Verwendung von Biomasse wie Holz, Mais, Getreide oder Bioabfällen als Energieträger ist bestechend. Nur: Bioenergie bringt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. So etwa die Gefährdung der Nahrungsmittelproduktion in Entwicklungsländern oder der biologischen Vielfalt bei uns. Wie sehr die Debatte um die Bioenergie die Gemüter bewegt, hat der Biomassekongress der baden-württembergischen Grünen am 26. Januar in Stuttgart deutlich gemacht: Bei der von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Ökologie vorbereiteten Konferenz gingen über 70 TeilnehmerInnen gemeinsam mit hochkarätigen Referenten in zwei Plenarvorträgen und vier Arbeitsgruppen der Frage nach: Biomasse – Klimaretter oder Strohfeuer?

Den Aufschlag machte Ludger Eltrop, Mitglied der LAG und im Hauptberuf an der Uni Stuttgart mit der Entwicklung regenerativer Energietechniken befasst. Biomasse könne auf sehr vielfältige Weisen energetisch genutzt werden. Allerdings gäbe es auch sehr unterschiedliche Klimaentlastungspotenziale; manche Nutzungsweisen könnten durch die Emission starker Klimagase sogar negative Bilanzen haben. Würden effiziente Techniken genutzt wie etwa Biogas in Kraft-Wärme-Kopplung, gäbe es aber ein großes Energiepotenzial.

Ein besonders effektives Projekt im Großmaßstab stellte der grüne Oberbürgermeister Arno Schütterle aus Mühlacker vor. Dort betreiben die Stadtwerke eine Groß-Biogasanlage, die Methan ins Erdgasnetz speist, das an anderer Stelle zur Kraft-Wärme-Kopplung wieder entnommen werden kann.

Biomasse und Agrarstrukturen

Auf besonderes Interesse stieß die Arbeitsgruppe „Biomasse und Agrarstrukturen“, in der als Experten Professor Alois Heißenhuber von der Uni München und Bruno Krieglstein vom Ministerium Ländlicher Raum referierten. Heißenhuber stellte in seinem brillanten Vortrag die ökonomischen Rahmenbedingungen der Biomassenutzung dar. Seit die Überproduktion als Thema der Vergangenheit erscheint, tritt die Energieerzeugung auf dem Feld automatisch in Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung. Was angebaut werde, entscheide dann der Preis, außer dieser Mechanismus wird durch Eingriffe wie den Beimischungszwang außer Kraft gesetzt. Sinnvoller sei es, bei der Biomassenutzung nicht zur Nahrungsmittelerzeugung geeignete Reststoffe in den Vordergrund zu rücken. Bruno Krieglstein sah ein weiterhin gutes Wachstumspotenzial für die Biomassenutzung im Land, warnte aber auch angesichts der gestiegenen Erzeugerpreise vor Fehlinvestitionen. Am Erneuerbare-Energien-Gesetz müssten deutliche Korrekturen vorgenommen werden. 

Biomasse und Biodiversität

In der Arbeitsgruppe „Biomasse und Biodiversität“ stellte Andre Baumann aus der Sicht des Naturschutzverbandes NABU die Gefahren für die Biodiversität durch Monokulturen und Intensivierung dar, wie sie bereits zu beobachten seien. Andererseits gäbe es auch Chancen für die Verwertung von Landschaftspflegematerial. Baumann listete schließlich einige Kriterien für eine naturschutzgerechte Biomassenutzung auf. Harald Gebhardt von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz referierte unter dem Thema „Arten im Hitzestress“ über die erwarteten Artenverschiebungen durch den Klimawandel. Bis ein Grad Temperaturzunahme sei eine Zunahme der Artenvielfalt zu erwarten, weil Mittelmeerarten bei uns einwandern. Dieser Prozess sei schon im Gange. Bei einer Temperaturerhöhung von über einem Grad – wie sie unstrittig kommen werde – sei der gegenteilige Prozess zu erwarten. Zahlreiche Arten mit begrenzten Arealen und Arten, die an kühle Lebensräume angepasst sind, würden aussterben, und die Artenvielfalt bei uns, aber auch in Gesamteuropa, würde sich verringern. 

Biomasse: Effizienz versus Breite

Um die Frage „Biomasse: Effizienz versus Breite“ drehte sich eine dritte vom grünen Landtagsabgeordneten Franz Untersteller moderierte Arbeitsgruppe. Dr. Joachim Nitsch vom Landesnaturschutzverband machte deutlich, dass die Biomassenutzung ein unverzichtbarer Baustein auf dem Weg zu einer hundertprozentigen Versorgung durch erneuerbare Energien sei. Zugleich stellte er aber klar: „Ohne Biomasse abzuwerten müssen wir in der Gewichtung stärker auf andere erneuerbare Energie wie Wind, Solarenergie oder Wasser setzen, da darin mehr Potenziale liegen.“ Nitsch forderte, dass der Anbau von Biomasse nachhaltig erfolgen müsse. Auf diese Weise sei im Land etwa eine Verdopplung des Biomasseanbaus gegenüber heute möglich. Damit könnten – bei gleichzeitig mehr Energieeinsparung und -effizienz – bis zu 20 Prozent unserer Gesamtenergie aus Biomasse erzeugt werden, so Nitsch. Einen verstärkten Import von Biomasse sieht er skeptisch, da dies dem Prinzip der Dezentralität widerspreche. „Wir müssen die Biomasse im Dorf lassen.“

Für die umweltpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Sylvia Kotting-Uhl bildet Biomasse „in den vier zentralen Bereichen Strom, Wärme, Kraftstoffe und Chemie einen unverzichtbaren Bestandteil einer ambitionierten Klimaschutzstrategie“. Wichtig sei, dass bei den Bioenergien verstärkt auf höhere Effizienz gesetzt werde. Gleichzeitig ist Biomasse aus Sicht von Kotting-Uhl gerade bei den Kraftstoffen von zentraler Bedeutung, auch wenn in anderen Bereichen der Wirkungsgrad höher sei. „Wir können bei den Treibstoffen nicht auf Biomasse verzichten, da hier anders als bei Strom oder Wärme weniger andere Alternativen zur Verfügung stehen“, so Kotting-Uhl. 

Biomasseimport

Ein heiß diskutiertes Thema stand im Mittelpunkt der Arbeitsgruppe „Importierte Biomasse“: Führt – wie vielfach berichtet – der Import von Palm- und Sojaöl oder Alkohohl aus Zuckerrohr zu zusätzlicher Waldrodung und zur Vertreibung von Kleinbauern? Sowohl Roger Peltzer von der Bundesarbeitsgemeinschaft Nord-Süd wie auch Gerald Knauf vom Forum Umwelt und Entwicklung vertraten eine differenzierte Haltung. In vielen Tropenländer gäbe es noch Potenziale für zusätzliche nachhaltige landwirtschaftliche Produktion, die auch den Ländern selbst wirtschaftlich auf die Beine helfen würde. Ohne scharfe Vorgaben und Kontrollen sei aber nicht zu gewährleisten, dass Raubbau am Wald getrieben werden. Eine flächenbezogene Zertifizierung, wie sie in Ansätzen existiere, reiche aber nicht aus, da über Verdrängungseffekte dann doch wieder Schindluder getrieben werde. In vielen Ländern wie etwa Indonesien seien aber keine Strukturen gegeben, die eine Kontrolle ermöglichen würden. Auch wenn es langfristig auf eine Zertifizierung hinauslaufen müsse und kurzfristig ein Importstop nicht hilfreich sei, müsse doch der durch den EU-weiten Beimischungszwang entstandene Druck wegfallen, so Knauf.Die grüne Landesarbeitsgemeinschaft Ökologie zog eine rundum positive Bilanz ihres Kongresses: „Die Tagung brachte genügend Stoff, um auf einer guten Informationsbasis die grünen Positionen zur Biomasse neu zu diskutieren und gegebenenfalls auch zu modifizieren."

Debattenbeiträge und Papiere

Im Folgenden finden Sie die Präsentationen einiger ReferentInnen sowie Papiere zur Biomasse-Debatte zum Download:

  • „Die Klimabilanz der energetischen Biomassenutzung“, Dr. Ludger Eltrop (Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Universität Stuttgart)
  • „Arten im Hitzestress – Folgen des Klimawandels für die Artenvielfalt", Dr. Harald Gebhardt (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg) (2,9 MB)
  • „Biomasse und Biodiversität! Risiken und Chancen der energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe“, Dr. André Baumann (NABU Baden-Württemberg) (2,6 MB)
  • „Zur Konkurrenz von Bioenergie- und Nahrungsmittelerzeugung“, Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber (Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus, TU München)
  • „Das Biomasse-Kraftwerk Mühlacker“, Arno Schütterle (Oberbürgermeister von Mühlacker)
  • „Nachhaltige Biomasse aus den Tropen – eine Chimäre?“, Gerald Knauf (Forum Umwelt und Entwicklung)
  • Hintergrundpapier der LAG Ökologie: „Biomasse und Klimaschutz – Chancen, Risiken, politische Forderungen“
  • Beschluss der Grünen Bundestagsfraktion: „Bioenergien nachhaltig gestalten“
  • Gutachten „Klimaschutz durch Biomasse“ des Sachverständigenrat für Umweltfragen: www.umweltrat.de/02gutach/downlo02/sonderg/SG_Biomasse_2007_Buch.pdf 
  • Papier des NABU zur Biomassenutzung: www.nabu.de/energie/biomasse_position.pdf 
  •  "Naturschutz-Beurteilung von Anlagen zur Gewinnung und Nutzung regenerativer Energie“ von NABU und Landesnatuschutzverband Baden-Württemberg: www.lnv-bw.de/info/07-07regener.pdf

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Herzlichen Glückwunsch an @gruenenrw @nrwspd und @HanneloreKraft zu diesem tollen Ergebnis. Ein Klares Mandat für Rot-Grün #nrw12

13.05.2012, 19:26
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13.05.2012, 18:01
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13.05.2012, 15:28
Für eure letzten Fragen zu #nrw12 sind die @gruenenrw immer noch #3TW http://t.co/Imj6KcGN

13.05.2012, 15:26
Es wird knapp bei der Landtagswahl in NRW. Wählt @gruenenrw für eine rot-grüne Mehrheit & eine sozial-ökologische Politik. Ab ins Wahllokal!

13.05.2012, 14:05
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Ich habe da mal eine Frage @schroeder_k #muttertag http://t.co/1t7WK8zP

12.05.2012, 13:10
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12.05.2012, 11:36
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