
Die Deutsche Bahn AG und die Kopfbahnhof-Gegner erklären Stuttgart 21 gerne zu einem ökologischen Projekt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Für den Klimaschutz ist das Prestigeprojekt kein Meilenstein. Denn Stuttgart 21 verlagert den Verkehr nicht vom Auto auf die Schiene. Die Projektbetreiber rechnen zwar damit, dass Stuttgart 21 jährlich fast 177.000 Tonnen CO2 einspare. Doch das entpuppt sich auf den zweiten Blick als Mogelpackung. Denn die Verringerung der Emissionen bezieht sich ausschließlich auf die verkehrlichen Auswirkungen der Neubaustrecke nach Ulm. Der Tiefbahnhof selbst verringert die CO2-Emissionen um kein einziges Gramm – was nicht weiter verwundert, da im neuen Bahnhof kaum mehr Züge verkehren können als im bestehenden Kopfbahnhof.
Für einen effektiven Klimaschutz braucht es eine landesweite und flächendeckende Offensive für den Schienenverkehr und für den öffentlichen Personennahverkehr, damit möglichst viele Bürgerinnen und Bürger von mehr und besseren Bahnen und Bussen profitieren können. Das aber verhindert Stuttgart 21. Denn dann fehlt das Geld für Bahnprojekte, die tatsächlich mehr Straßenverkehr auf die Schiene bringen. Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs könnte ebenfalls ein Beitrag zur Rettung unseres Klimas sein. Aber schon jetzt ist bekannt, dass 650 Millionen Euro an baden-württembergischen Nahverkehrsmitteln für Stuttgart 21 zweckentfremdet werden sollen.
Nur das klimafeindlichste Verkehrsmittel – das Flugzeug – würde von Stuttgart 21 profitieren. So kalkuliert die Geschäftsleitung der Stuttgarter Flughafen GmbH, dass der neue Bahnknoten inklusive Filderbahnhof jährlich 1,2 Millionen zusätzliche Fluggäste bringen würde. Der unterirdische Bahnknoten wäre auch eine energiepolitische Bankrotterklärung. Denn aus der heute fast ebenerdigen Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und Wendlingen würde eine Berg-und-Tal-Fahrt. Folge: Der Energieverbrauch nähme rasant zu. Das beginnt schon beim Kellerbahnhof selbst, der 17 Meter unter der Erde liegen soll. Allein diese Höhendifferenz, so eine Rechnung der Ingenieure gegen Stuttgart 21, würde bei heute 590 Zügen täglich knapp 12.000 kWh Strom erfordern. Dazu kommen 66 Tunnelkilometer. Allein der Bau dieser Röhren schluckt Unmengen an Energie. Und in Betrieb würden die Tunnel wegen des viel höheren Luftwiderstands zu Stromfressern erster Güte.
Auch für die Stadtökologie ist Stuttgart 21 verheerend. Das Prestigeprojekt würde mit der Bebauung der frei werdenden Gleisflächen den Menschen im Talkessel die Frischluftzufuhr abschnüren. Die ohnehin schon schlechte Luftqualität würde noch schlechter. Zudem würde der Lebensraum von 700 Tier- und Pflanzenarten zerstört. 38 davon stehen auf der Roten Liste. Auch der Schlossgarten, ein beliebtes Naherholungsgebiet mit zum Teil über 100 Jahre alten Bäumen, würde angegriffen. Knapp 300 Großbäume sollen dem Projekt weichen – Bäume, die die Luft filtern und den Staub binden. Der Bau des Tiefbahnhofs würde zudem das zweitgrößte Mineralwasservorkommen Europas gefährden.
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